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Das andere Schottland

puffin_smHoch im Norden Schottlands liegt die Inselgruppe der Orkneys mit dem weltberühmten Dorf aus der Steinzeit, Skara Brae. Und noch weiter im Norden, fast schon in Norwegen, liegen die Shetland Inseln, die sich ihre ganz eigene Kultur bewahrt haben

Die Orkney Inseln umfassen rund 70 verstreute, kleine Inseln, stellenweise unbewohnt, von unglaublicher Schönheit.

Nicht minder schön sind die Shetland Inseln. Hier kann man noch gut die historischen Hinterlassenschaften und den Einfluss Norwegens erkennen.

 

 

 

 

Der folgende, ausführliche Text sowie die Bilder stammen von Wolfgang Schlick, dem ich an dieser Stelle nochmals herzlich dafür danke!

 

SunSetOverOrkney

Schaut der 'normale Tourist' auf eine Schottlandkarte, findet er meist oben rechts im Blatt zwei kleine Kästchen, in denen je eine Inselgruppe dargestellt ist.

'Aha, da gibt es also noch etwas' ... nördlich von John O'Groats, was oftmals fälschlich als der nördlichste Punkt Schottlands angesprochen wird. Und richtig, da oben ganz im Norden, gibt es noch zwei Inselgruppen, die vollkommen zu Unrecht den meisten Touristen verborgen bleiben: Zu groß ist vielen der Zeitaufwand, zu hoch den meisten die Kosten, die man investieren muss, um auf die Insel zu kommen.

Dabei bieten die beiden Inselgruppen – die Orkney und Shetland Inseln – dem Besucher eine Vielzahl interessanter Ziele für jede Interessenlage:

Die homogene Geologie der Orkney bringt ein sehr ausgeglichenes Landschaftbild hervor und kontrastiert mit dem geologischen Flickenteppich der Shetlands und seiner größeren landschaftlichen Vielfallt. DeernessEastMainlandOrkney

Die ertragreichen Böden Orkneys bilden die Grundlage für eine ausgesprochen agro-industrielle Nutzung des Landes mit einem deutlichen Schwerpunkt auf der Rinderhaltung und Bullenmast. Die Folge ist eine 'saubere, aufgeräumte, seit altersher hochentwickelte Kulturlandschaft' vergleichbar etwa dem Allgäu, in Schottland nur noch vergleichbar mit Teilen Aberdeenshires.

Dagegen viel mehr heidebewachsene 'saure Böden' in Shetland, die gerade noch eine passable Schafhaltung auf weitgehend naturbelassenen Grenzertragsböden erlaubt.

Prägen bis heute große Estate Farms mit ihren Herrenhäusern auf Orkney das Landschaftsbild, dann sind es auf Shetland die kleinen Crofter Farms mit ihren Cottages.

Die historische Wurzel dazu:
Der Orcadier war in früheren Jahrhunderten ein 'farmer with a boat', der Shetlander dagegen war 'a fisherman with a croft'.

Der Fisch, das war das Kapital der Shetlander, die erst mit ihren Fängen die hanseatischen Märkte bedienten, bevor holländische Fischer mit quasi industriellen Methoden die Fischerei aufzogen, wodurch Unmengen von Geld ins Land kamen.

MelsetterHouse_IsleOfHoyOrkneyIn unserer Zeit ist es auf beiden Inselgruppen das Öl, das die wirtschaftliche Entwicklung dominiert. Seit den 1970er-Jahren war es das Nordsee-Öl, heute – nach ehemaligen Prognosen sollten die Ölfelder längst erschöpft sein – sind es zunehmend Gas aus den Nordseefeldern und aus neu erschlossenen Feldern nordwestlich der Shetland Inseln. Wie auch immer: Einst war der Ölboom auf 25 Jahre kalkuliert, aktuell investieren die Öl- und Gasmultis in die Terminals von Flotta / Orkney und Sullom Voe / Shetland für weitere 50 Jahre.

Wer aber auf die Inseln kommt, der wird zuerst mit etwas ganz anderem konfrontiert. Schon auf einer der Fähren wird er den "singenden" Dialekt der Einheimischen hören, die deutlichste Referenz an die skandinavische Vergangenheit der Inseln. Fährt man gen Norden, verlässt man das kulturell heute vielfacht gälisch überformte Festland. Stärker in Shetland, aber auch auf Orkney merkt man, dass man sich in dem stark skandinavisch geprägten Teil des Landes bewegt. Richtiger gesagt, man besucht die Landesteile, die nicht so stark gälisch akkulturisiert sind, die sich ihre eigenen skandinavischen Traditionen – allem voran auch im sprachlichen Bereich – erhalten haben.DoreHolmShetland

Auch die Westküste und die Western Isles waren einst skandinavisches Einflussgebiet, dass allerdings durch nachfolgende Siedlergenerationen gälisch geprägt wurde. Sehr schön lässt sich dies an den Ortsnamen nachvollziehen:
Aus dem gälischen 'Calanais' wurde das englische 'Callanish'. Hier oben im Norden würde man immer noch 'Kali's Ness' sagen und würde damit die Landzunge ansprechen, auf der ein gewisser Herr namens Kali siedelt und wirtschaftet.

Aber die Insulaner sind offen für alles und jederman. Heute marschieren auch Pipes & Drums in der ansonsten 'kiltfreien Zone' auf. Aber der Besucher wundert sich manchmal über die Anlässe: Es sind ihre lokalen Feste – von der sommerlichen Stromnes Shopping Week bis hin zum winterlichen Up Helly Aa, Shetland's Feuer Festival –, es passiert aber auch am 17. Mai, an dem auf dem Inseln das öffentliche Leben weitgehend ruht ... dieser Tag, der mit großen Festgottediensten und Straßenparaden bis heute gefeiert wird, ist kein schottischer, kein britischer Feiertag, dieser Tag ist der norwegische Nationalfeiertag.

Ein Schritt auf die Inseln, ist ein kleiner Schritt in ein etwas anderes Schottland, ein Stückchen Land, das zu Schottland gehört und sich dazu bekennt, das aber britisch denkt und irgendwie skandinavisch fühlt und dies auch mit vielerlei Erinnerungen an die gemeinsame skandinavische Vergangenheit auch lebt.

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